Zwei vegane Schweinehunde außer Rand und Band oder minimalistisch Reisen in 4 Zügen

Ein kurzer Stopp an einer roten Ampel bricht das stundenlange Schweigen. „Hast du Lust für meinen Blog einen kleinen Reisebericht über minimalistisches Reisen und unsere Tour hier zu schreiben?“ „Ja klar, kann ich versuchen.“ Grünes Ampellicht und weiter geht’s. Es sind noch schlappe 30 km bis zu dem gesetzten Tagesziel. Im Windschatten fahrend lass ich mir die eben gelaufene Konversation  nochmal durch den Kopf gehen und fühle mich zum Einen geschmeichelt, zum Anderen aber auch ein wenig unbeholfen. „Naja wird schon irgendwie…“ denke ich so bei mir und versuche weiter Schritt oder eben Fahrt zu halten, mit der Spitze unserer kleinen überschaubaren Rennradkolonne. Diese besteht aus Schmidti und mir und ist auf den Weg in den hohen Norden.

Heute, gute 8 Wochen nach unserer Radtour, löse ich nun also mein Versprechen von der roten Ampel ein und lasse meinen geistigen Ergüssen zu dieser Reise freien Lauf.   

Freitag 12.06.2015, 15:00 Uhr

Knapp 300 km liegen hinter uns als wir die Hansestadt Lübeck erreichen.

„In 4 Tagen ans Meer. Reduziert auf das Nötigste. Kein zusätzlicher Ballast. Nur ein ganz grober Plan im Kopf und das wichtigste an Ausrüstung. Alles Weitere ergibt sich unterwegs.“

pünktliche Abfahrt in Eberswalde
pünktliche Abfahrt in Eberswalde

So sollte es sein. Und jetzt, rückblickend betrachtet, beim Schreiben dieser Zeilen, war es das auch. Der Grundgedanke ist simpel – Wir wollen Fahrradfahren. Und nur das. Das Maximum an Spaß und Geschwindigkeit. Wir wollen uns nicht mit dem Ganzen Drumherum plagen, was einem beim klassischen Radwandern oft Nerven und Kraft raubt und mental als auch körperlich ausbremst. Verzicht auf Wechselsachen für jedes Wetter, weder Zelt aufbauen und transportieren, noch Zeltplätze suchen, keinen unnötigen Proviant spazieren fahren. einfach soll es sein, Minimalistisch.

  1. „Weniger ist mehr!“ 

Wer schon einmal eine etwas längere Ausfahrt mit einem Rennrad gemacht hat weiß, dass es tödlich sein kann mit (zu viel) Gepäck zu fahren.

Hier gilt ungeschlagen das Prinzip „weniger ist mehr!“ Und zwar: „weniger Gepäck ist mehr Fahrspaß!“

„Was wir nicht brauchen bleibt zu Hause!“

Taschen, Schlafsack, Rucksack und und und. Es hilft, sich vorher genau vor Augen zu führen, wie die nächsten fünf Tage vom Aufstehen bis zum Schlafengehen aussehen könnten. Mit zwei Extremsituationen: Hitze und Regen.

Unsere Gedanken dazu waren in etwa wie folgt:

Wenn wir fahren, haben wir entsprechende atmungsaktive Kleidung an. Bestehend aus einer gepolsterten Fahrradhose und einem Funktionsshirt bzw. Fahrradtrikot. Hierbei ist der Fahrtwind nicht zu unterschätzen, deshalb alternativ, ein langärmeliges Funktionsshirt einpacken. Regnet es, ist es egal was wir anhaben. Die Sachen sind eh in wenigen Sekunden durchnässt, ob kurz oder lang. Trocken werden sie genauso schnell, warum also unnötig Wechselkleidung mitschleppen? Nach zehn Minuten Rennradfahren bei guter Geschwindigkeit ist man komplett durchgeschwitzt und es fällt einem nicht mehr schwer jeden Tag von neuem in dieselbe Kleidung zu schlüpfen. Als Wechselschuhe eignen sich wunderbar unsere Barfußlaufschuhe. Diese lassen sich gut verstauen, sind leicht und reichen für einen kleinen Abendspaziergang durch die Stadt völlig aus.

Was ist aber unabdingbar?

pure Energie, 100% vegan und einfach zu transportieren
pure Energie, 100% vegan und einfach zu transportieren

Fahrradhelm, Fahrradhandschuhe, Rennradschuhe, Flickzzeug, Fahrradcomputer, Duschbad und Zahnpasta. (ist man mit einem guten Kumpel unterwegs, sollte einmal für beide ausreichen;-))

Smartphone – erweist sich bei solchen Touren als sehr hilfreich und praktisch. Die Etappen werden spontan geplant, verfährt man sich, dient es einem als moderne Straßenkarte. Musikhören und Fotosmachen gehört (für mich) generell zum Reisen dazu, So wie ein kurzes Telefonat mit der Freundin am Abend.

Bargeld – es geht auch Bargeldlos  – nur mit EC- Karte

Handtuch – ein Mikrofaserhandtuch nimmt wenig Platz ein und trocknet in Windeseile.

Zahnbürste – wenig Gewicht und ist wirklich nicht zu unterschätzen ;-).

Badehose – Das Ziel ist schließlich die Ostsee und eine Badehose ist die perfekte Alternative zur Fahrradhose und alltagstauglich.

Fahrradschloss – Besser ist es, wenn eine Person die Räder gut im Blick hat

Banane – der ideale Wegbegleiter, lässt sich gut transportieren, schmeckt und bringt viel Energie

Dienstag 09.06.2015, 16:00 Uhr

Nach etwa 80 km passieren wir wie zwei Weltmeister freihändig das Ortseingangsschild von Rheinsberg. Der erste Tag ist geschafft. Die örtliche Touristeninformation sollte uns relativ schnell eine idyllische Unterkunft vermitteln. Nachdem wir – dort angekommen – dankend das Angebot der Gastherrin über ein deftiges Frühstück am nächsten Morgen ablehnten, ging es nach der erholsamen Dusche ab auf die Piste. Naja, ganz so war es dann doch nicht. denn Punkt 20:00 Uhr lagen wir in unserem schönen Doppelbett. Die letzten Sonnenstrahlen schienen noch durch den bereits zugezogenen Vorhang. Eingedeckt mit veganen Naschigkeiten und einem Malzbier ließen wir hier nun stolz unsere erste Etappe ausklingen. „Morgen geht’s früh raus“, dachten wir uns und ließen die Müdigkeit Sieger des Tages werden.

2. „Wir setzten uns nur grobe Streckenziele“

Es ist ausreichend eine grobe Route vor Augen zu haben. So hatten wir genügend Sicherheit hinsichtlich der Schlaf- bzw. Verpflegungssituation und konnten Spontanität walten lassen. Ein realistisches Streckenziel ist das A und O. Ich habe die Erfahrung gemacht, meine Motivation nicht bis ans äußerste auszureizen, bloß um nochmal 20 km mehr zu fahren und „die Statistik zu schönen“. Lieber mit einem Lächeln im Gesicht und zufrieden eine Etappe abschließen und sich auf die morgige freuen, als mit mürrischen Blick und im schlimmsten Fall noch mit Schmerzen das Fahrrad in die Ecke schmeißen und beim Schlafengehen keine Lust mehr auf den Rest der Tour zu haben.

Mittwoch 10.06.2015, 09:00 Uhr

Der zweite Tag startete mit dem Entschluss zunächst einmal etwas zu metern und erst nach 30 km eine Frühstückspause einzulegen. Auf einem Bordstein direkt vor dem Discounter genossen wir nach zwei Brötchen mit leckerem Aufstrich, einem Apfel, einer Banane und Sojajogurt natürlich auch einen kräftigen Schluck Wasser aus der Fahrradflasche. Mmmhhhhh.

Anschließend fuhren wir satt und zufrieden in die Mittagssonne rein und kamen neben dem Radfahren unserer Lieblingsbeschäftigung nach – dem Reden.

Den langen ausgiebigen Unterhaltungen bei etwas humanerer Geschwindigkeit auf flachem Streckenprofil folgten schweigende, angespannte Berg- und Talfahrten bei konstant hoher Geschwindigkeit. Vor allem die zunehmenden Poschmerzen meinerseits und die plötzlich auftretenden Knieschmerzen meines Partners bestimmten diesen zweiten Streckentag. Den Blick geschärft auf die Straßenschilder, die einem die Entfernung zum gewünschten Zielort verraten, fuhren wir nach guten 90 km wie zwei Tour de France Rennradprofis in Parchim ein. Schwieriger als in Rheinsberg gestaltete sich hier die Suche nach einer passenden Unterkunft für die Nacht, da gerade ein Fernsehteam die örtlichen Hotels und Unterkünfte zu 99% in Beschlag nahm. Etwas gebeutelt mussten wir nun mit Hunger und Müdigkeit eine Entscheidung treffen, „weiter fahren oder weiter suchen?“. Wir entschieden uns mit geringem Datenvolumen ersteinmal online weiter zu suchen und konnten dieses Match für uns entscheiden. Ein Zweibettzimmer mit einem Schuppen für unsere beiden Drahtesel. Wunderbar.

Klassiker: ich-bin-zu-spät-aus-meinen-Klickpedalen-herausgekommen Rennradsturz
Klassiker: ich-bin-zu-spät-aus-meinen-Klickpedalen-herausgekommen Rennradsturz

Doch bevor wir den Tag ausklingen lassen konnten, sollte es keine 100 m vor unserem Domizil nun doch noch soweit sein: was wäre eine Rennradtour ohne den ich-bin-zu-spät-aus-meinen-Klickpedalen-herausgekommen, klassischen Rennradsturz auf den blanken Asphalt? Bingo! Das ausgiebige Bad in der Eckbadewanne machte disen Kollateralschaden allerdings schnell wieder  vergessen und die Freude über unser erreichtes Etappenziel überschattete die Schmerzen. Die Verletzung hielt sich in Grenzen und ich sah das als eine Art Warnung, sich nicht der Leichtsinnigkeit hin zu geben.

Die sich anschließende Nacht wurde sehr kurz. Nicht wei wir sehr früh aufgestanden sind, sondern weil wir die halbe Nacht erzählt haben. Ich kann nicht mal genau sagen worüber alles. Aber, anscheinend war es gut.

3. „Wir schlafen in einer festen Unterkunft“

Es ist eine schier unglaubliche Belohnung, nach 90 km eine ausgiebige Dusche zu genießen und anschließend in einem Bett zu schlafen, um ausgeruht und mit voller Vorfreude am nächsten Tag in die nächste Runde zu starten. Gesetz dem Fall das Wetter hätte uns einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir hätten mit Regen und Kälte zu kämpfen gehabt, ist die Entscheidung in eine feste Unterkunft zu gehen und nicht irgendwo zu Zelten nochmal doppelt so viel wert. Einfacher geht’s fast nicht, als sich ohne langes Vorgeplane direkt in dem Ort der entsprechenden Zwischenetappe ein Zimmer zu Suchen, irgendwo eine Kleinigkeit zu essen und schlafen zu gehen.

Doonnerstag 11.06.2015, 09:00 Uhr

10 Minuten zum Strand
10 Minuten zum Strand

Gute 80 km trennten uns von Groß Walmstorf. Streckenziel Nr. 3. Ein kleines Dorf, welches sich 10 Minuten vom Ostseestrand entfernt befindet. Für diese letzte Nacht, bevor wir Freitag in Lübeck auf’s Siegertreppchen steigen, gab uns mein Onkel freundlicherweise Obdach. Man sollte meinen, je mehr man in Richtung Meer fährt, desto flacher wird das Streckenprofil. Doch es sollte anders kommen als erwartet und das Auf und Ab kostete uns doch eine gehörige Portion Motivation zwichendurch. Dazu gesellten sich auch noch unsere stetigen Begleiter: Schmidtis Knieschmerzen, die sich nun zeitweise auch noch mit aufkommenden Rückenschmerzen, aufgrund des schweren Fahrradschlosses in seinem Sportbeutel abwechselten und meine Poschmerzen, zu denen sich der Knieschmerz, infolge des Sturzes gesellte. Als wir den Hof meines Onkels erreichten, war es demnach nicht verwunderlich, dass die Feierabend-Bier-Runde mit guten Gesprächen und viel Gelächter ausgedehnt wurde. Der große Brocken wäre geschafft. Was vor uns liegt – 50 km bis Lübeck – ist nur noch die Zugabe bei einem guten Punkkonzert. Also konnten wir beruhigt unserer Reise schon einen Abend vor Ende ausgiebig beprosten.

4. „kein Proviant!“

Wer sich auf gut erschlossenen Pfaden bewegt, wird jederzeit die Möglichkeit haben sich etwas zu Essen zu kaufen. Das ist gesunder Konsum. Wir kaufen dann wann wir Hunger haben und essen das, worauf wir Appetit haben. Alles in Maßen, die wir für nötig halten. Wenig Verpackung. Keine ständige Vorausplanung, was ich wann wo essen kann. Unser Körper sagt uns, wie es um ihn und seine Kraftreserven steht. Hört auf ihn! Und nehmt es ernst! Denn Essen ist, vor allem bei solchen Unternehmungen das Beste . Es gibt nichts Schöneres, als nach 50 km eine längere Pause einzulegen und energiereiche Nahrung zu sich zu nehmen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Trinken. Wasser sollte man immer genug dabei haben. Nicht unbedingt auf dem Rücken transportieren, aber zwei volle Fahrradflaschen am Rahmen sind für eine gute Teiletappe schon nicht verkehrt. Wir haben sie, wo immer wir konnten aufgefüllt.

Freitag 12.06.2015,, 15:00 Uhr

Ankunft am Holstentor
Ankunft am Holstentor

Das langersehnte Foto vor dem Holstentor. Den Schweinehund haben wir irgendwo  unterwegs zurückgelassen und die Räder gen Himmel gestreckt. Geschafft! So klingt das Ende einer total außergewöhnlichen Reise. Zugegeben, für unsere kleine Radtour wohl etwas überzogen und pathetisch, aber ein bisschen Theatralik kann nicht schaden. Die letzte Nacht hier in Lübeck werden wir bei Zimma, unserem alten Weggefährten aus Rostock verbringen. Nachdem sich seine Freundin in weiser Voraussicht übers Wochenende verabschiedet hat, nimmt die Männerrunde mit schnelller Musik und etwas Bier langsam fahrt auf.  Erst Strand, dann Dinner, Hafen, Sonnenuntergang und Ende.

Die Belohnung einer solchen (minimalistischen) Reise ist enorm und wurde mir auch erst einige Tage später so richtig bewusst. Körper und Geist können einem ihre Dankbarkeit darüber, dass man sie mal ganz mit sich und der Tätigkeit „alleine“ lässt, sehr eindrucksvoll zeigen. Durch die Reduzierung auf das Wesentliche gewinnt man Zeit zum Nachdenken und kommt auf Ideen und Gedanken, die vielleicht sonst nicht reifen können. Man hat Zeit und Kraft sich viel zu unterhalten und sich mit seinem Reisepartner auszutauschen, die Eindrücke auszuwerten und in der Vergangenheit zu schwelgen. Auch die Vorfreude auf das Heimkehren und auf seine gewohnte Umgebung und Habseligkeiten kriegen durch eine solche Reise – reduziert und entschleunigt – einen ganz anderen Stellenwert.  Es zeigt deutlich was einem wichtig ist, was wir wirklich vermissen und schult uns dahingehend, gewisse Dinge und Momente wieder zu schätzen.

f, 08/2015


F. Thies Neu schreibt auf seinem Blog eigene Gedanken über Minimalismus und DIY- Produkte und Kunst nieder. Er ist außerdem ein langjähriger und treuer Wegbegleiter auf den Pfaden durch mein Leben und immer bereit für Schandtaten wie den ersten Triaathlon oder ähnlichem.

Wer mehr über seine Aktion „trenne dich im Monat von 10 Dingen“ oder der Rotating Gallery erfahren möchte, dem sei sein Blog „fshooting“ wärmstens empfohlen…  

„Jenseits der extremsten Erschöpfung und Qual stoßen wir möglicherweise auf ein Ausmaß an Mühelosigkeit und Kraft, das wir uns so nie erträumt hätten; auf Quellen der Stärke, die niemals in Anspruch genommen werden, weil wir niemals die Hindernisse überwinden.“ – William James

Dieses Zitat stellt meine Einleitung zum Bericht meiner ersten Ultramarathonerfahrung am Rennsteig dar. Es traf mich einst wie ein Pfeil – blitzschnell und unerwartet – als ich das Buch Born to Run gelesen habe. Ich suchte nach dem Wahrheitsgehalt der Aussage. Im Buch wird über Scott Jurek berichtet und dass er dieses Zitat am Ende seiner E- Mails nutzte. Daraufhin las ich das Buch eat and run von Scott Jurek und wurde mit dem Ultramarathonfieber angesteckt.

In meiner Heimatstadt und deren Umgebung finden regelmäßig kleine Laufveranstaltungen statt. Die Teilnehmer sind in der Regel immer die Selben. Und immer die Selben, vornehmlich ältere Jahrgänge schwärmen in der Regel immer vom selben Lauf – dem Gut Muths Rennsteiglauf in Thüringen. Ein Wettlauf, der seit mittlerweile 43 Jahren auf verschiedenen Distanzen ausgetragen wird. Die Königsdisziplin ist hier nicht der Marathon. Die Königsdisziplin ist der Supermarathon. Auf 72,7 km geht es hier auf dem ersten Teilabschnitt des Rennsteig- Wanderwegs von Eisenach nach Schmiedefeld. Seit ich das erste Mal davon erfahren habe, wusste ich, ich muss das machen.

Alle die meine Texte verfolgen, wissen bereits, dass ich zur eigenen Motivation ein großes Ziel vor Augen haben muss. Das wiederum setzt eine verbindliche Anmeldung voraus. Während ich mich für den Rennsteiglauf angemeldet habe, hatte ich einige körperliche Probleme. Seit Wochen machte mir mein Knie zu schaffen und ich konnte keine 30 Minuten ohne Schmerzen laufen. Mein Coach kommentierte meine Anmeldung als „ambitioniert, nicht einfach, aber machbar“.

Mit der Verwendung von Barfussschuhen konnte ich meine Schmerzen in den Griff bekommen. Doch wenige Wochen vor dem Rennsteiglauf, dann die nächste Hürde. Ich hab es wahrscheinlich mit den Barfussschuhen übertrieben und verstauchte mir meinen Knöchel – wieder eine längere Zwangspause. Doch das Wetter war mir hold und ich konnte aufs Rennrad umsteigen und weiterhin an meiner Kondition arbeiten. Als ich dann keine Schmerzen mehr im Knöchel verspürte nahm ich am Werbelinseelauf teil. Einen 28 km langen Rundkurs um einen der schönsten und größten Seen Brandenburgs. Im letzten Jahr konnte ich mein Debüt um den Werbellinsee mit etwa 2:30 h feiern. In diesem Jahr zeigte sich eine muskuläre Schwäche in meinen Beinen und ich war insgesamt etwa 20 Minuten langsamer als noch im Vorjahr. Das unangenehme daran ist eigentlich, dass ich nach etwa 18 km verstärkt Gehpausen einlegen musste. Wenn einem dies nur eine Woche vor seinem ersten Ultramarathon passiert, dann kann man ruhig mal zweifeln, und das habe ich dann getan, bis ich am Samstag dem 9.Mai 2015 um 6:00 Uhr früh auf dem Marktplatz in Eisenach an der Startlinie stand.

voll gepackt mit tollen Sachen...
voll gepackt mit tollen Sachen…

Das schöne am Rennsteiglauf ist neben der Strecke und deren Beschaffenheit, vor allem die familiäre Atmosphäre der Mitläufer, der Zuschauer und der Veranstalter und Unterstützer. Mit dem Auto sind wir, Paula und ich bereits am Freitag nach Thüringen gefahren. Dort trafen wir uns mit Freunden und übernachteten in Schmiedefeld auf dem Sportplatz, mit Blick auf den Zieleinlauf. Man fühlt sich hier sofort wohl und in den Kreis der Rennsteigläufer aufgenommen. Während man bei anderen Lauf- Groß- Veranstaltungen immer schnell das Gefühl bekommt beobachtet und beurteilt zu werden, wird diesem Gefühl hier in Schmiedefeld keine Chance gegeben. Jeder ist im Vorfeld stolz auf die Leistung, die der andere erbringen wird, egal ob Wanderer, Walker oder Läufer und Scheissegal über welche Distanz.

Gegen 2:30 Uhr in der Nacht klingelt mein Wecker und ich versuchte mich, nebst meiner steigenden Aufregung auf den Lauf vorzubereiten. Wenn ich aufgeregt bin, dann drückt sich das vor allem in starker innerer Unruhe aus. Ich habe dann Probleme klare Gedanken zu fassen und bin verdammt unsicher. Das versuche ich durch Schweigsamkeit zu verbergen. Auf dem Weg zum Bus fiel mir dann auf, dass ich meinen Starterchip im Auto vergessen habe. Also hieß es für mich schon einmal vorab warm machen und Chip holen. Die Busfahrt von Schmiedefeld nach Eisenach war sehr entspannend. Es wurden Anekdoten aus den vergangen Jahren hervorgebracht, die letzte Renntaktik besprochen, gefrühstückt oder einfach nur kurz (aus)geschlafen.

In Eisenach angelangt dann nochmal zur Toilette. Die Startnummer um den Bauch wickeln. Ebendiesen nochmals mit heißem Tee auffüllen und dann den Kleiderbeutel abgeben und an die Startlinie begeben. Hier stieg die Aufregung dann immer mehr. Auf einer Bühne wurden letzte Informationen zur Veranstaltung durchgesagt und das berühmt, berüchtigte Rennsteiglied zum Besten gegeben. Ich kann nicht all zuviel dazu sagen, denn ich habe kaum was davon mitbekommen. Wie immer beio solchen Veranstaltungen konzentrierte ich mich nur auf meine inneren Gedanken und versuchte mich zu sammeln.

Start in Eisenach
Start in Eisenach

Punkt 6:00 Uhr dann der Start. In einem engen und schnellen Läuferfeld ging es dann kurz durch Eisenach. Hier bemerkte ich, dass ich eigentlich viel zu weit vorn am Start gestanden habe und das Tempo das hier gelaufen wird eigentlich nicht durchhalten kann. Doch erst einmal ein Stück mitlaufen, um dann an gegebener Stelle überholt werden lassen und Tempo drosseln. Diese Stelle sollte nicht lange auf sich warten lassen. Der Rennsteigwanderweg ist ein Kammweg auf den Höhen des Thüringerwaldes. Diese Höhen hieß es nun zu erklimmen und so verlief die Strecke bis zum ersten Verpflegungspunkt nur bergauf. Noch nicht steil, aber dafür lang und stetig.

Ich habe mir als Renntaktik vorgenommen an den Verpflegungspunkten mindestens zwei Becher Wasser zu trinken und etwas Obst zu essen. All dies in einem langsamen angemessenen Tempo. Die ersten zwei oder drei Verpflegungsstationen konnte ich so gut überwinden bzw. passieren. Doch nach etwa 20 oder 24 km setzten mir meine Beine arg zu. Die zahlreichen Anstiege wurde immer zahlreicher und steiler, so dass ich verstärkt Gehpausen einlegen musste. Um sie zu erklimmen. An den Verpflegungspunkten bin ich dann nun auch stehengeblieben um mich in „Ruhe“ zu verpflegen. Hier konnte ich einige Gespräche mit Mitlaufenden führen, die sich an meinem „Laufen gegen Leiden“ Shirt erfreuten und mich diesbezüglich, sowie über meine vegane Ernährung ausfragten.

Die nächsten Kilometer machte ich mir dann Gedanken über meine Motivation und über meinen Schweinehund, der mir nicht von der Seite weichen wollte. So versuchte ich mir die Strecke innerlich in Teilabschnitte einzuteilen, die ich als Distanzen schon gelaufen bin. So sagte ich zum Beispiel bei Kilometer 30: „nur noch über die Marathondistanz, dann hast du es schon geschafft“. Wiederholende Blicke auf die Uhr machten mich nervös, denn irgendwann kannst du einfach nicht mehr klar denken. Du bist kaum in der Lage dich an simple Dinge zu erinnern. Ich wusste, bei Kilometer 51,- irgendwas hat man die Möglichkeit den Supermarathon zu beenden, ohne disqualifiziert zu werden. Man ist dann eben nur 51,- schiess- mich- tot Kilometer gelaufen. Eben diese Stelle muss man aber auch in einer bestimmten Zeit passiert haben, um nicht aus dem Lauf genommen zu werden. Und genau diese Zeit wollte mir nicht mehr einfallen. War es 12:00 Uhr, 13:00 Uhr oder etwa doch 15:00 Uhr? Ich kann mich noch an die Anzeigetafel an der Verpflegungsstation bei Kilometer 51,- wen- interessierts- eigentlich? Erinnern. 12:30 Uhr. Niemand übt hier Druck auf dich aus oder gibt dir nen Tipp vielleicht schneller zu laufen oder der Gleichen. Ich schlussfolgerte dann also daraus, dass ich wohl noch in der Zeit bin und das Ding nach Hause laufen kann.

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An die Schmerzen in den Beinen habe ich mich gewöhnt. Die blendet man schnell aus. Was man weniger ausblendet ist das drumherum. So habe ich leute mit Barfusschuhen gesehen oder gar Sandalen. Ich habe von den Tarahumara gelesen, ein Stamm in Mexico, die zu den besten Langstreckenläufern des Planeten zählen und die sich Sandalen aus alten Autoreifen um die Füße schnüren. Doch wenn man so etwas quasi life zu Gesicht bekommt, dann merkt man erst was da für eine Leistung dahinter steckt. Ich ziehe hiermit meinen Hut vor all den Sandalenläufern.

Die Strecke gestaltet sich als wunderbar abwechslungsreich. So läuft man über Wald- und Wiesenboden mit allem was dazu gehört, wie Wurzeln, Steine, Gras oder feinen Sand. Weniger abwechslungsreich, dafür aber sehr fordernd sind zahlreiche Anstiege, von steil bis sehr steil. Doch das schlimmere sind eigentlich die Abstiege. Zu Beginn eines Anstiegs hofft man darauf, dass es schnell wieder bergab geht. Doch geht es dann bergab, wünscht man sich schon fast den nächsten Anstieg herbei…

Anstiege, Anstiege und nochmehr Anstiege...
Anstiege, Anstiege und nochmehr Anstiege…
irdendwann ist man dann oben, dann geht es wieder runter...
irdendwann ist man dann oben, dann geht es wieder runter…

Nach etwa 68 Kilometern setzte dann Regen ein. Ich freute mich darüber und empfand es als euphorisch, erheiternd richtig nass zu werden. Ich wusste ja, dass ich in 4 Kilomtern im Ziel sein werde. Dann klingelte mein Telefon und Paula fragte mich, wo ich bin und ob alles gut sei. Sie sei mit ihrer Wanderung durch, alle anderen unserer Truppe seien ebenfalls durch und warten nun auf mich.

Die letzten eineinhalb Kilometer konnte ich nochmals meine Geschwindigkeit erhöhen. Ich lief mit jemadem mit, der etwa das gleiche Tempo lief. Wie so oft ist dann so, dass keiner langsamer sein möchte als der Andere und man im Endeffekt schneller läuft als gewollt. Auf der Zielgeraden habe ich dann nochmals mein Tempo erhöhen können. Ich wusste und sah ja dann auch, dass ich gleich durch sein werde. Nach 10:01:58 habe ich meinen ersten Ultramarathon über eine Distanz von 72,7 Kilometern gefinished. Mit meiner Medaillie um den Hals fielen Paula und ich uns dann töstend ind die Arme. Nach einer extremen körpelichen Anstrengung fällt inem die Last der Erschöpfung in Form von Freudentränen und Euphorie vom Leib.

In Schmiedefeld findet jedes jahr am Ende des Rennsteiglaufes die sogenannte Läuferparty statt. In einem großen Zelt tanzt ein Jeder, trotz seiner schmerzenden Beine auf den Tischen und Stühlen zu den Klängen des Rennsteigliedes oder des Schneewalzers. Eine einprägsame Erfahrung, denn ich wusste gar nicht, dass Volksmusik so viel Spaß machen kann. Die familiäre Atmosphäre der gesamten Veranstaltung rückt hier noch einmal in den Fokus. Jeder ist Stolz auf die Leistung des anderen, egal welche Leistung derjenige erbracht hat. So etwas sieht man leoder nur äußerst selten bei Wettbewerben. Nicht umsonst ist der Rennsteiglauf zu Europas schönstem Marathon gewählt worden.

Die Läuferparty
Die Läuferparty

Später wurde ich mehrfach gefragt, wie mir der Lauf gefallen hat und ob mir nicht für das nächste mal eine kürzere Distanz ausreichen würde. Ich kann nur immer wieder sagen, dass dies ein großartiges Erlebnis gewesen ist. Mit all seinen Höhen, Tiefen, Schmerzen und Tränen gehört der Rennsteiglauf 2015 zu einem der schönsten Erlebnisse in meinem bisherigen leben. Ich bin angefixt und werde auch 2016 wieder in Eisenach am Start stehen.

An dieser Stelle komme ich wieder zur Einleitung dieses Beitrags zurück. Ich habe die Wahrheit und die Kernaussage hinter William James seinem Zitat gefunden. Wenn du denkst, dass nichts mehr geht und du eine Grenze erreicht hast, dann geh einen Schritt weiter! Verschiebe die Grenze immer weiter um einen kleinen Schritt, um dann zu sehen, dass es keine Grenze mehr gibt.

Finisher Shirt, Urkund und Co

Wenn’s im Knie zwickt und sticht…

Als Sportler und insbesondere als Ausdauersportler, kennt ein jeder die Situationen, in denen dir die Motivation zu Kopfe steigt und der Körper nicht deinem Willen hinterherkommt. In den letzten Wochen und Monaten nach meinem bisher größtem Leistungserfolg beim Frankfurt- Marathon konnte ich den Kampf zwischen Körper und Geist hautnah miterleben. Hochmotiviert  nahm ich mir verschiedene Trainingseinheiten vor. Doch musste ich mich stark zurückfahren. Ich bekam Probleme mit meinem Knie. Hiermit möchte ich diese Probleme und deren Lösung? Mit euch teilen…

In den vergangen Wochen und Monaten, nahm ich mir so einiges vor. Unter anderem dachte ich nach dem Frankfurt- Marathon noch in demselben Jahr – quasi November und Dezember 2014 – eine kleine Challange zu bestreiten. Ich wollte ein Teil des Berlin-Usedom- Radweges laufend zurück legen. Geplant war der Teil von Finowfurt nach Berlin – ca. 60 km. Des Weiteren wollte ich den Hochuferweg im Jasmunder Nationalpark auf Rügen, von Sassnitz zum Königsstuhl und zurück erlaufen. Doch dazu sollte es nicht kommen.

Ein Tag wie jeder Andere im Herbst, auf meiner Hausstrecke. Nach ungefähr 40 Minuten musste ich den weiten Weg bis nach Hause, humpelnd zurück legen! Der Schmerz schlich sich langsam – hinterrücks an mein rechtes Knie. Ein Gefühl als hätte ich mir das Knie verdreht. Knie durchdrücken? Unmöglich, ohne dabei einen Zusammenbruch zu erleiden! Auftreten und den Fuß abrollen? Verrückter Gedanke!

Wer einmal urplötzlich Schmerzen jeglicher Art, nach bereits einigen Kilometern Lauferfahrung verspürte, der wird die Gedanken kennen, die sich von: „Ach, das ist nicht’s, nur das Wetter“ bis hin zu: „Muskelkater, den kenn ich, der geht auch wieder weg!“ drehen. Doch diesmal war es anders. Das Wetter hatte weiß Gott nichts damit zu tun und Muskelkater im Knie ist bis dato auch etwas Unbekanntes für mich gewesen.  Wenn solche Schmerzen auftreten, so fragt man sich warum? und wie soll es weiter gehen? Als erstes: Laufpause und rauf auf die Rolle und rein in den Pool.

Wo genau liegt der Schmerz? Wo genau liegt seine Ursache? Und wie in Gottesnamen werden ich den Mist wieder los?
Das World- Wide- Web ist riesig und bietet eine Fülle an Informationen. Auch über Krankheiten, Verletzungen und deren Symptome und Therapien. Dr. Selfie – das ist mein peersönlicher Arzt, mit seiner Praxis in meiinem Hinterkopf, fand die Diagnose schneller als gedacht. Das kann nur ein Läuferknie sein. Oder anders ausgedrückt: Ilio- tibiales- Bandsyndrom (ITBS). Das ITBS beschreibt eine Reizung bzw. eine Entzündung einer Sehnenplatte – der tractus iliotibiales – die ausgehend von der Hüfte über den Oberschenkel bis zur Außenseite des Schienbeinkopfes verläuft. Hierbei „scheuert“ sie am Kniegelenk und es kommt zu einer Reizung bzw. einer Entzündung.

Was kann ich nun dagegen tun?

Mein bester Freund hatte das Problem im Jahr zuvor schon einmal hinter sich gebracht. Zu dieser Zeit habe ich mich immer gewundert bzw. gefragt wann es mich erwischt. Aus den Erzählungen mit ihm wusste ich, dass er vor seinen Schmerzen weder Kräftigungsübungen, noch Dehnübungen absolviert hat. Sollte das der Grund sein? Seit meinen ersten Laufmetern habe ich versucht verschiedene Dehn- und Kraftübungen in meinen Trainingsplan mit einzubinden. Doch mit der Zeit, gerade der Zeit Spätsommer bis Herbst 2014, habe ich meine Übungen vernachlässigt. Wie ich dann erfahren durfte, nicht ohne Folgen. Neben der Steigerung der Trainningsintensitäten und der damit erhöhten Belastung für das Knie, habe ich Dehn- und Kräftigungsübungen vernachlässigt. Die Ursache meines Läuferknies ward gefunden!?

Um eine Erkrankung zu behandeln bedarf es der Beseitigung deren Ursachen. Daraus folgt: Dehn- und Kräftigungsübungen wieder als festen Bestandteil in mein Training zu integrieren. Als Kräftigungsübungen kann ich da nur Ausfallschritte empfehlen. Hierbei ist nicht viel verkehrt zu machen. Wichtig ist, dass das Schienbein des vorderen Beins senkrecht auf dem Boden steht und das Knie nicht über den Fuß hinaus zeigt. Ausfallschritte können sowohl passiv, aöls auch aktiv durchgeführt werden. Passiv bechreibt das Halten oder Ausharren der Grundstellung. Während aktiv eine Auf- und Abbewegung impliziert. Auch Kniebeugen sind nicht zu verachten, wobei man dabei auf eine technich saubere Ausführung achten sollte.

Kraftübung - Ausfallschritt
Kraftübung – Ausfallschritt

Als Dehnübungen empfehle ich die Beine zu Überkreuzen, und sich dann langsam mit gestreckten Knien langsam nach vorn zu beugen und somit zu versuchen mit den Händen dem Boden so nahe wie nur möglich zu kommen (ich bin tierisch gelenkig und chaffe es meine Schienbeine zuberühren). Übungen mit einer Schaumstoffrolle sind außerdem zu empfehlen. Insbesondere die Massage der Außenseite der Oberschenkel.

Dehnübung - Beine kreuzen
Dehnübung – Beine kreuzen
Schaumstoffrolle - Selbstmassage, Außenseite Oberschenkel
Schaumstoffrolle – Selbstmassage, Außenseite Oberschenkel

Nun muss ich ehrlich sein. Die beschriebenen Übungen allein haben nicht gereicht, um meine Schmerzen in den Griff zu bekommen. Am hilfreichsten sollte für mich die Verwendung von Barfussshuhen sein. Animiert durch meinen bereits beschriebenen Kontakt zu meinem Kumpel und seinen Knieschmerzen, die er vor Allem durch die Verwendung von Barfussschuhen aus einem Repertoire verbannen konnte, sowie durch die Lektüre von „Born to Run“ von Christopher McDougall, habe ich den Schritt gewagt und bin auf Barfussschuhe umgesattelt, bzw. bin ich noch immer dabei.

Warum Barfussschue?

Zum einen fördern Barfussschuhe eine saubere Lauftechnik. Durch das natürlich Laufgefühl und der fehlenden Dämpfung der Sohle ist man quasi gezwungen bei jedem Schritt mit dem Fussballen aufzusetzen. Das hat mindestens zwei Vorteile. 1.  wird die Verse geschont und die Belastungen des Laufens werden durch den Vorfuss abgefangen. 2. stärkt das Vorfußlaufen die Waden- und Kniemuskulatur – ergo, bestes Krafttraining für Wade und Knie. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten. Seinen Laufstil zu ändern benötigt Zeit. Wer mit Barfussschuhen läuft, fängt quasi bei Null an und Läuft in geringer Intensität nur wenige Kilometer. Wer mehr wagt bzw. zu früh die Trainingsintensität mit Barfussschuhen erhöht, der läuft Risiko sich andere Verletzungen – vor Allem im Waden uund Knöchelbereich – zuzufügen.

Natural Running - in Barfussschuhen die Waden stärken
Natural Running – in Barfussschuhen die Waden stärken

Durch die Verwendung von Barfussschuhen sowie die feste Einbindung von Dehn- und Kräftigungsübungen in mein Trainingsprogramm konnte ich meine Knieschmerzen bekämpfen und beheben. Seit einigen Wochen laufe ich nun wieder schmerzfrei, mal mit Barfussschuhen, mal mit festen Laufschuhen. Doch eines ist immer dabei, die Angst bzw. das Gefühl, dass der Schmerz wiederkehrem könnte. Der Vorteil im Ausdauersport ist jedoch, die stöhrenden Gedanken „weg zu laufen“.

Abschließend muss ich noch erwähnen, dass ich weder Arzt, noch Physiotherapeut bin und keinerlei medzinische Ausbildung genossen habe. Aus diesem Grund sind die Ratschläge in diesem Bericht, immer noch Ratschläge, die auf selbst gemachte Erfahrungen beruhen und zum Nachdenken anregen wollen. Ich übernehme keine Haftung dafür, dass die beschriebenen Übungen das Ideal darstellen und für jedes Läuferknie die einzig wahre Lösung sind. Kurz: Geniesse die Hinweise mit Vorsicht und bestreite den Weg zum Arzt, wenn du Schmerzen im Knie oder einem anderen Körperteil empfindest.

Trotz Allem vielen Dank, dafür, dass ich meine Erfahrungen mit dir teilen durfte…

Habt ihr auch Erfahrungen mit dem Läuferknie oder Anderen Schmerzen in den Gliedern? Wie geht ihr damit um?

Geplant ins Ziel und darüber Hinaus

Als Ziel für meinen Frankfurt Marathon im Herbst 2014 setzte ich mir eine Überquerung der Ziellinie nach vier Stunden und dreißig Minuten. Um das zu erreichen schmiegte ich einen Plan in meinem stillen Kämmerlein…

Ich hatte bereits Erfahrungen mit einem Trainingsplan für Marathoneinsteiger aus dem Buch „perfektes Marathontraining“. Mit diesem Trainingsplan konnte ich meinen ersten Marathon finishen und meine Zeit bei meinem zweiten Marathon um zehn Minuten verbessern. Um nun mein neues – für mich ambitioniertes – Ziel zu erreichen und mein Leistungsniveau, im Hinblick auf die Teilnahme an einigen Triathlon- Wettkämpfen in den nächsten Jahren zu steigern, entschied ich mich für eine professionelle Trainingsbegleitung in Form eines Online- Coachings durch das Internetportal Training für Alle (www.training-fuer-alle.de).

Nach einer kurzen Kennlernphase und der Darstellung meiner sportlichen Ziele und meines aktuellen Leistungsniveaus durch bisherigen Laufergebnisse, bekam ich meinen ersten Trainingsblock via E- Mail zugesandt. Trainingsblock bedeutet: einen Vier- Wochen Trainingsplan, gespickt mit fünf bis sechs Tagen Trainings pro Woche. Lauf- Rad- und Schwimmeinheiten sind dabei genau festgeschrieben. Was mir schon beim ersten Anblick aufgefallen ist, hierbei geht es nicht um Geschwindigkeit oder das Abrennen von Kilometern innerhalb einer bestimmten Zeitvorgabe. Trainiert wird anhand der Trainingsintensität, also der Herzfrequenz – individueller geht’s kaum.

voll verplant
voll verplant

Eine der wichtigsten und immerwiederkehrenden Laufeinheiten sind Steigerungsläufe. Anfangs habe ich sie gehasst, implizieren Steigerungsläufe doch eine kurzzeitig hohe Trainingsintensität, durch die Steigerung der Laufgeschwindigkeit in kurzen Abschnitten bis hin zum Sprint. Nach ein paar absolvierten Steigerungseinheiten lernte ich dann die Vorteile von eben diesen kennen und lieben. So sind denn genau diese Steigerungsläufe durch die Intensitätssteigerung auf kurzen Abschnitten eine wunderbare Möglichkeit um Grundlagen- und Tempoausdauer zu erhöhen.

Zur Regeneration der beanspruchten Muskelpartien standen regelmäßige Radausfahrten auf dem Programm. Radausfahrten bedeuten vor Allem die Stärkung des eigenen Sitzfleisches gepaart mit dem Rausch der Geschwindigkeit und der Angst im Straßenverkehr übersehen zu werden.

Der Rausch der Geschwindigkeit
Der Rausch der Geschwindigkeit

In der Schwimmhalle fechtet man von Woche zu Woche einen Kampf gegen den eigenen Schweinhund aus – Kachel für Kachel und Zug um Zug! Unter Spaß und Freude stelle ich mir etwas Anderes vor, als das überfüllte Becken mit spielenden, springenden, tobenden Kindern oder langsam, teils lethargisch dahin treibenden Rentnern zu teilen. Ich will ehrlich sein. Der Schweinhund liegt in diesem ewigen Kampf um einige Nasenlängen vorn.

Nach wenigen Wochen Trainingsbegleitung machten sich erste Erfolge bemerkbar. So konnte ich beim Brodowiner- Naturlauf meinen ersten Platz vom letzten Jahr verteidigen – gut ich war mal wieder der einzige Starter meiner Altersklasse – und mich zugleich um 27 Minuten verbessern. Das machte sich dann auch im Training bemerkbar. So konnte ich eine höhere Pace bei geringerer Belastung laufen.

Platz eins meiner AK, bei einem Teilnehmer
Platz eins meiner AK, bei einem Teilnehmer

Kurz vor dem Start zum Marathon in Frankfurt hatte ich Probleme mit meiner Wade. Ich bekam Schmerzen im rechten Wadenmuskel, welchen ich aus der Vergangenheit her kannte, wenn ich am Sonntagmorgen, nach einer alkohol- durchzechten Nacht mit Krämpfen schreiend im Bett stand. Das tolle an einem Individuellen Trainingsplan: Änderungen im Plan, die durch Verletzungen oder andere Zwangsunterbrechungen, durch berufliche Tätigkeiten oder andere Termine auftreten könnten, werden besprochen und der Plan den Bedürfnissen angepasst. So konnte ich nach Absprache mit Xander, meinem Coach die Trainingsintensität verringern und verletzungsfrei zum Marathon anreisen.

Am Marathonwochenende – Ende Oktober stand dann die Überprüfung des Trainings auf dem Plan. Ich nehme mal eines Vorweg: Es war ein rundum gelungenes Wochenende. Auf der Marathonmesse konnte ich im persönlichen Gespräch mit Xander noch einmal die Strategie für den kommenden Lauf durchsprechen. Das gibt Mut, den man bitter nötig hat, denn ein Marathon ist kein Spaziergang, erst recht nicht, wenn du zwei Wochen zuvor wegen Schmerzen in der Wade kaum gehen konntest.

Zu Beginn des Laufs verunsicherte der Blick auf die Uhr das Nervengefüge im Kopf, denn ich fühlte mich gut und ich war – anders als geplant – zu schnell. Die höhere Geschwindigkeit konnte ich über 42,195 km fast konstant durchziehen. Den roten Teppich der Frankfurter Festhalle erreichte ich nach vier Stunden, dreizehn Minuten und siebenunddreißig Sekunden. Das sind etwa dreißg Minuten über meine vorherige Bestzeit und siebzehn Minuten über mein geplant angedachtes Marathonziel hinaus. Alles in Allem ein gelungenes Wochenende.
An dieser Stelle möchte ich mich bei Xander und bei Training für Alle, für die Unterstützung bedanken und freue mich über unsere zukünftige Zusammenarbeit im kommenden Jahr, sowie über weitere leckere Rezepte, denn auch Xander ist Veganer aus Leidenschaft und steht in vollen Zügen hinter einer rein pflanzlichen Lebensweise.

Jeder, der an einer professionellen Unterstützung und einer individuellen Zusammenstellung seines Trainingsplans interessiert ist, der sollte die Gelegenheit beim Schopfe packen und Xander kontaktieren. Ich habe sehr gute Erfahrungen in den letzten Monaten sammeln können und fühlte bzw. fühle mich bestärkt und bestens betreut in der Erreichung meiner Ziele und Wünsche.

Was sind Eure Erfahrungen mit Trainingsplänen? Trainiert ihr frei Schnauze oder nach festem Plan?

Hafermilchreis mit Sommermus

Als Kind habe ich ihn geliebt, wenn meine Großmutter ihn für mich zubereitet hat. Lange Zeit vergessen, nun im Urlaub wieder entdeckt…Milchreis. Nicht mit Kuhmilch, sondern mit Hafermilch zubereitet.

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Nach einer intensiven Trainingseinheit, wie einer langen Radausfahrt oder einem Intervalllauf, bietet der Hafermilchreis eine super Möglichkeit die Reserven aufzufüllen und den Körper bei der Regeneration zu unterstützen.
Am besten wird er vor dem Training zubereitet und danach einfach genossen. Warm oder kalt – Eine Pracht!
Ein schöner Nebeneffekt: Hafermilch enthält wenig Fett.

Passend dazu ein Mus oder Püree aus gefrorenen Früchten. Die bieten einen sehr guten fruchtigen Kontrast zum Reis – vor Allem im Sommer, wenn die Temperaturen hoch schlagen.

nun zum Rezept:

– 125 g Milchreis
– 500 ml Hafermilch
– 2 El Agavendicksaft
– 1 Prise Salz
etwas gemahlene Vanille

Die Hafermilch wird in einem Topf erhizt und die restlichen Zutaten eingerührt. Nun alles bei geringer Hitze köcheln lassen, bis der Reis quellen konnte und ein leckerer Brei dabei herauskommt…fertig!

Für das Mus einfach verschiedene Früchte mit etwas Wasser im Mixer oder mit dem Pürierstab pürieren, bis die gewünschte Konsistenz entsteht. Für meine Variante habe ich jeweils eine handvoll gefrorene Heidelbeeren und gefrorene Mango mit zwei Nektarinen gemixt.

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Alles schön anrichten und wegputzen…

Ich hoffe es schmeckt euch – ich könnte mich hineinlegen.

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Bon Appetit!

Dreikampf- Debüt am Werbellinsee

Es war Weihnachten im Jahr 2013 als es von der Sportvereinigung Rohde- Neumann hieß: „der 9. August 2014 wird unser Tag – der Tag unseres ersten Triathlons. Also anmelden bevor alle Plätze vergriffen sind!“

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Wer mich kennt, der weiß mittlerweile, dass ich nach den Aussagen der gewissen Sportvereinigung keine Chance zur Widerrede habe. Ich habe noch kurz erwähnt, dass wir eigentlich den Marathon in Rostock laufen wollten, der zur gleichen Zeit stattfinden sollte und wir 2015 erst ins Triathlon- Geschäft einzusteigen vorhatten.
Egal!
Anmeldung schon am kommenden Tag erledigt!

Nun heisst es Schwimmen lernen.
Es soll der Volkstriathlon in den Distanzen 400m – 20km – 5km werden. Nun klingen 400m nicht viel, doch möchte man auch nicht als letzter Fisch am Strand liegen bleiben, nachdem alle Anderen schon auf dem Rad sitzen.
Also ab in die Schwimmhalle und an der Technik feilen! Schon im Sommer zuvor suchte ich oft das Chlorwasser unserer Badeanstalt zum Kachelnzählen auf. Zu dieser Zeit mit Tipps und Anregungen von Terry Laughlin und seinem Buch „total immersion“. Hier stieß ich schnell an meine Grenzen. Nachdem ich mir vor Jahren das Bassspielen und Jonglieren autodidaktisch anhand verschiedener Literatur beibringen konnte, dachte ich, dass das mit dem Kraulschwimmen ebenso zu schaffen sei (denkste!).
So habe ich mich im Januar zu einem Einsteiger- Seminar- Kraulschwimmen angemeldet. Damit habe ich mir eine gute Grundlage geschaffen, um ein Gefühl für die Technik zu bekommen. Im Jahresverlauf übte ich nun nach und nach einzelne Techniken.
Ich möchte an dieser Stelle ehrlich sein. Ich kann nicht kraulen. Ich würde mich nicht als Schwimmer bezeichnen, doch weiß ich worauf es ankommt. Ich kenne die Technik und kann sie auf ein bis zwei Bahnen umsetzen. Das muss reichen für den Jedermanntriathlon!

geboren im Sternzeichen Fische
schwimmen ohne ein Schwimmer zu sein

Die zweite Disziplin wird im Volksmund als „radeln“ bezeichnet. Eine Disziplin, in der ich geübt bin, fahre ich doch fast täglich zehn Minuten mit dem Rad zur Arbeit und auch wieder zurück. Auch einige längere Radtouren konnte ich schon von meiner „unbedingt- zu- erledigen- bevor- du- stirbst- Liste“ streichen. Alles in allem kann ich mit Recht behaupten, dass ich in der Kategorie Fahrrad einige Erfahrungspunkte sammeln durfte. Ein Triathlon ist jedoch kein Weg zur Arbeit und auch kein gemütlicher Urlaub. Ein Triathlon ist Wettkampf, der aus drei Disziplinen zusammengesetzt wird. Die zweite Disziplin ist ein Radrennen.

Nach meinem Geburtstag im März konnte ich mir einen langen Traum erfüllen und mir ein Rennrad kaufen. Ich bezeichne meine neue Liebe gern als Rennmaschine – ein Federgewicht welches danach schreit schnell geradelt zu werden. Bei jedem Spritzer Sonne bestieg ich nun meinen, aus Carbon geschliffenen Bock, um die Straßen unsicher zu machen und Kilometer um Kilometer zu fangen. In dieser Zeit bereitete ich mich auf das 1. vegane Lauffest gegen Leiden in München, auf der Marathon- Distanz vor. Anders gesagt, „Ich darf, neben dem gesamten geradle nicht vergessen zu Laufen!“ Im Folgenden hieß es nun wieder zurück in die Laufschuhe.

Kilometer um Kilometer fangen
Kilometer um Kilometer fangen

In meiner Marathon Vorbereitung ein Jahr zuvor, stieg ich mit einem Trainingsplan. Theoretisch gesehen wollte ich genau das auch mit meinem Triathlontraining machen, doch praktisch gesehen, weht hier ein anderer Wind. Mehr oder weniger ohne Plan – quasi planlos – bereitete ich mich auf meinen ersten Triathlon vor. In regelmäßig unregelmäßigen Abständen ging ich ins Schwimmbad, drehte meine Runden auf der Rennmaschine und schlich durch die Wälder, bis der Tag „X“ kommen sollte.

Am 9. August 2014 sollte ich ins Wasser steigen, um im Anschluss auf dem Rad zu trocknen und beim Laufen wieder nass zu werden. Im Gegensatz zu vielen Laufwettkämpfen, an denen ich teilnehmen durfte, herrscht beim Triathlon eine komplett andere Stimmung. Durch die Anwesenheit zahlreicher Helfer, Kampfrichter und Organisatoren bekommt man schnell das Gefühl an etwas Großem teilzuhaben. Als erstes werden die Startunterlagen in einem schicken Starterbeutel mit aufgedrucktem Logo des Wettkampfes abgeholt, um im Anschluss das Rad einzuchecken. Beim Einchecken werden die Räder nach DTU Richtlinien begutachtet und ggf. Ständer abgebaut und Startnummern angebracht. Der Aufbau der eigenen Wechselzone ist jedem selbst überlassen. Hierbei bin ich etwas nervös geworden. „Ist alles dabei was ich brauche? Wie läuft der Wechsel ab? Liegt das Handtuch an der richtigen Stelle?“ Bis zu diesem Zeitpunkt schien das Wetter tadellos zu sein. Kein Regen in Sicht und nicht zuviel Sonne. Nach der Wettkampfbesprechung mit dem Veranstalter und einem Kampfrichter der Deutschen Triathlon Union änderte sich das Wetter schlagartig. Kurz vor dem Start am Ufer des wunderbaren Werbellinsees bezog sich der Himmel und ein Sturm zog auf. Im Rücken dröhnte kräftig heroische Musik aus den Lautsprechern. Fabi und ich sahen uns an und mussten lächeln. „Jetzt wirds ernbst!“ Wir hatten das Gefühl kurz vor einer Schlacht zu stehen.

Der Start verzögerte sich um einige Minute, da der Werbellinsee einen Wellengang hervobrachte, der es mit der Ostsee hätte aufnehmen können – der perfekte Tag für einen Badeausflug. Nun noch kurz innehalten, in die Hocke gehen und Atmung beruhigen. Startschuss, ab ins Wasser! Angenehm Warm bei etwa 25 °C fiel das Schwimmen leichter als zuvor erwartet. Nach einigen Kraulzügen zurück zum Brustschwimmen und locker flockig bis zur ertsen Boje. Hier stießen mir die ersten Hände der nach- uns- Startenden an die Beine und brachten mich aus dem Rhythmus. Ehe ich den wieder fand, spürte ich bereits den Sand unter meinen Knien und konnte aus dem Wasser steigen und zur Wechselzone sprinten.

Völlig entgegen meiner zuvor ausgeknobelten Taktik war ich viel zu schnell unterwegs und bekam das Gefühl am Ende zu schwach zu sein, um mein Debüt Verletzungsfrei über die Ziellinie zu bringen. Der ertse Wechsel verlief wunderbar. Abgetrocknet habe ich mich nicht, wodurch das Handtuch quasi überflüssig wurde. Auf dem Rad konnte ich mich erholen und Kraft tanken. Doch meine Nervosität konte ich nicht vergessen, hieß es doch bei der Wettkampfbesprechung, dass das Fahren im Windschatten bei Strafe verboten sei. Ist von euch schonmal jemand in der Gruppe geradelt, mit einem Abstand von 10 Metern zum Vordermann?

Nach 16 km kam ich zurück in die Wechselzone, ich hatte hier keine Ahnung von meiner Zeit oder meiner Geschwindigkeit. Ich wusste nur, das ich noch 4 km zu Laufen habe (Im Nachhinein, bei der Auswertung meiner Daten auf meiner Uhr, konnte ich glücklich sein, nichts von der Geschwindigkeit geahnt zu haben. Bei 50 km/h als Spitze hätte ich ohne Frage aus Angst gebremst!).

Diese 4 km waren meine schnellsten üerhaupt. Nach 2 Kilometern hat mich Marleen eingeholt und hinterließ eine Staubwolke auf dem trockenen Waldboden. Fabi konnte ich auf der Rückrunde treffen, mit Kopfhörern im Ohr machte er den Eindruck einen zügigen Spaziergang zu absolvieren – er aht einiges an Fittness voraus!

Dann hieß es ab ins Ziel! Das Publikum stand entlang eines Korridors entlang der Ziellinie und gab alles, sodass ich alles geben musste. Im Ziel traf ich Marleen dann wieder, nahm meine Medaillie entgegen und bejubelte Fabis Zieleinlauf.

erswchöpft und angefixt, "nach dem Triathlon ist vor dem Triathlon"
erswchöpft und angefixt, „nach dem Triathlon ist vor dem Triathlon“

Absolut Großartig. Mein allerster Triathlon – 400 m Schwimmen, 16 km Radfahren und 4 km Laufen – in 1:02:59 h!

Fazit des fantastischen Abenteuer mit der Sportverinigung Rohde- Neumann: Ich bin angefixt – Registrierung für Hamburg 2015 erledigt!!!

„you’ll never walk alone“ Auf nach Berlin!

Völlig geflashed nach meinem ersten Wettkampflauf habe ich mich dazu entschlossen einen Marathon zu laufen. Welcher Marathon eignet sich als erster Marathon am Besten? Der BMW-Berlin Marathon! Innerhalb von nur 13 Monaten habe ich es geschafft durch das Brandenburger Tor über die Zielgerade zu traben. Wie? Das habe ich im folgenden zusammengefasst.

Beim Laufen, vor allem beim Laufen über längere Distanzen entwickelt sich bei mir ein Gefühl von Freiheit. Ich kann meine Gedanken vom alltäglichen Stress befreien und über Dinge nachdenken, zu denen ich sonst – aufgrund fehlender Zeit – keine Möglichkeit habe drüber nachzudenken. So kam schon während des Trainings zum Eberswalder Stadtlauf kurz der Gedanke auf, „Stehst du das hier durch, dann schaffst du auch mehr – einen Marathon vielleicht?!“

Ernüchternd, diese waghalsigen Wünsche, wenn man kurze Zeit danach merkt, was es heißt 10 km zu laufen. Wie schwer sich die Beine anfühlen, wenn man über 80 bis 90 Minuten versucht in einem Tempo und einem steten Rhythmus die Füße auf den Boden zu setzten. Von der Beschwerlichkeit der Lunge und des Herzens möchte ich an dieser Stelle lieber nichts erwähnen…

Um einen Wunsch zu einem Ziel werden zu lassen benötigt man eine Überzeugung. Eine Überzeugung, das gesetzte Ziel zu erreichen und sich den formulierten Wunsch zu erfüllen. Diese Überzeugung beschreibt eine Veränderung im Leben. In meinem Fall der Wandel vom Lauf-Vermeider zum Marathon-Finisher.

Den ersten Schritt nach Berlin habe ich gerade beschrieben. Der zweite Schritt meines Lebenswandels ist ein kurzer Ausspruch: „Ich werde im nächsten Jahr den Berlin-Marathon laufen!“. Klingt im ersten Moment leicht, ist es aber nicht, wenn man bedenkt, wem gegenüber man diesen Ausspuch entgegenbringt. Ich habe ihn meinen Freunden und meiner Familie, quasi ins Gesicht geworfen. Ich setze viel auf die Meinung meiner Freunde und meiner Familie. Vor allem aber denke ich auch, wenn ich ihnen etwas sage, dann soll das der Wahrheit entsprechen. Da ich gerade vor dem Ausspruch einen Marathon zu laufen, einen 7 km-Lauf hinter mich gebracht habe und mich während des Trainings für diesen ein einzges Mal über 10 km  „quälte“ fiel mir meine Aussage besonders schwer. Aber gesagt, getan!

Der dritte Schritt auf dem Weg zum Marathon ist die Anmeldung für eben diesen. Jeder, der schon einmal den Berlin-Marathon gelaufen ist, weiß um die Schwierigkeit der Anmeldung. Ich hatte Glück. ein ganzes Jahr im Vorraus startete die Anmeldung für den schnellsten Marathon der Welt. Zu dieser Zeit noch ohne Losverfahren, jedoch mit der Gewissheit schnell sein zu müssen. Nicht schnell beim Laufen, sondern schnell bei der Anmeldung. Innerhalb weniger Stunden wurde die Anmeldung wegen Über- und Auslastung geschlossen. Doch ich habs geschafft. Um einige hundert Euro erleichtert kam ich meinem Wunsch einen kleinen Schritt näher. Spätestens jetzt meine ich es wirklich ernst – ich hab schließlich nichts zu verschenken! – und das Training kann beginnen.

Marathontraining heißt vor allem Grundlagentraining. Der Körper und noch mehr der Kopf muss auf eine 42,195 km andauernde Belastung vorbereitet werden. Dies ermöglicht man durch lange, andauernde Läufe – Dauerläufe. Hierbei geht es nicht um Geschwindigkeit. Die Theorie spricht von einer Belastung zwischen 60% bis 80% der maximalen Herzfrequenz. Umgangssprachlich ausgedrückt: „Laufe lange langsam, ohne dabei eine zu hohe Belastung zu spüren. Kannst du dich beim Laufen noch locker unterhalten, dann läufst du im richtigen Tempo.“ Da ich aber meist allein durch die Wälder in und um Eberswalde streife, stellt sich die Frage, mit wem ich mich unerhalten sollte, um mein Dauerlauftempo zu ermitteln und ohne als verwirrt deklariert zu werden? Als Laufanfänger fehlt mir das entsprechende Körpergefühl. Die Frage konnte ich nur mithilfe eines GPS Trainingscomputers mit Herzfrequenzsensor beantworten. Viele werden jetzt schreien: „UNNÖTIG!“ Für mich eine der lohnenswertesten Investitionen meiner bisher kurzen Laufkarriere und ständiger Trainingsbegleiter.

Im November konnte ich zum ersten Mal die Distanz meiner Dauerläufe erhöhen. Dies geschah mehr oder weniger zwangsweise. Ich suchte mir eine neue Strecke auf einer Wanderkarte aus und versuchte mir ebendiese einzuprägen. Fehlanzeige. Ich habe mich verlaufen. Bei herbstlichem Regenwetter und geringen Temperaturen lief ich in einem  für mich unbekannten Wald, ohne zu wissen wohin. Durch Zufall fand ich dann den richtigen Weg und kam insgesamt auf 21 km – Halbmarathon – selbstverständlich mit Gehpausen. Im Laufe des Winters häuften sich meine Dauerläufe. Ich machte es mir zur Gewohnheit 22 km am Stück zu laufen. Die passende Strecke suchte ich mir zuvor mit dem Rad aus, um mich nicht wieder zu verlaufen.

Der Winter war hart. 2012/2013 hatten wir viel und vor allem lange Schnee und eisige Temperaturen. Ostern – Anfang April – versank im Schneechaos. Im März bin ich meinen ersten offiziellen Halbmarathon gelaufen. Der baff-Naturmarathon in Marienwerder. Natürlich auf Schnee und Eis. Nach 2:13 h überlief ich die Ziellinie, als Letzter – nicht nur meiner Altersklasse, dafür stolz wie Bolle. Zwei Wochen später ging ich beim Berliner Halbmarathon an den Start. Ohne Schnee, dafür noch eisigen Temperaturen. In einer großen Masse zu laufen, mit unschlagbarer Unterstützung an der Strecke durch Passanten und Anwohner ist ein völlig anderes Lauferlebnis als allein in den Wäldern. Vollgepumpt mit Adrenalin und dem Wissen, schon einmal einen Halbmarathon sicher ins Ziel gebracht zu haben, konnte ich mich in Berlin um zwei Minuten verbessern – besser geht’s nicht! Hinzu kamen die Zurufe aus meinem Freundeskreis und meiner Familie kurz vor dem Ziel – ein bedeutender Motivationsschub, der einen kleinen Endspurt ermöglichte. Nochmals vielen Dank an dieser Stelle.

Meine "Crowd" beim Berliner- Halbmarathon
Meine „Crowd“ beim Berliner- Halbmarathon

Die nächsten Wochen und Monate waren geprägt vom Grundlagentraining und der Angst nicht genug Fundament aufzubauen, um den Marathon im Herbst zu bestehen. Verstärkt wurde das Gefühl, durch unseren Jahresurlaub, wo ich quasi 14 Tage mit dem Laufen aussetzte. Noch heute könnte ich mich dafür in den Arsch beißen! Schweden ist ein wunderbares Land und Laufen gehört hier zum Nationalsport. Jeder läuft in Schweden, nur ich bin es nicht wirklich. Lediglich in Stockholm konnte ich eine kleine Runde drehen – zu wenig in 14 Tagen!

Zurück aus dem Urlaub konnte ich meine Motivation für den Berlin-Marathon nochmals steigern. Über den Naturschutz Bund Deutschland – NABU – meldete ich mich als Charity-Läufer und nutzte mein Marathondebüt dazu Spenden für Naturschutzprojekte des NABU zu sammeln. Über Facebook machte ich meine Aktion bekannt und konnte 285 € Spendengelder sammeln. Gleichzeitig hatte das zur Folge, dass nun jeder aus meiner Facebook-Freundesliste von meinem Vorhaben erfahren hat – selbst Kolleginnen und Kollegen sahen mich von nun an, als denjenigen, der in seiner Freizeit nichts besseres zu tun hat, als durch den Wald zu rennen.

Zehn Wochen vor dem Start zum Marathon stieg ich dann in das intensive Marathontraining ein. Hierfür nutzte ich einen Trainingsplan von Herbert Steffny aus seinem Buch „Perfektes Marathontraining“. Den „10-Wochen-Plan für Marathoneinsteiger“ mit einer Zielzeit von 4:45 h, auf den ich immer gern zurückgreife, wenn ich aus dem Grundlagentraining flüchten möchte. Für mich war ein guter Trainingsplan mit das entscheidenste, um die Herausforderung Marathon zu bewältigen, zu mindestens um sie im Kopf zu bewältigen. Ich selbst kann für mich behaupten, einen Marathon zu 50% mit den Beinen, die anderen 50%  mit dem Kopf zu laufen. Der strukturierte Trainingsplan mit Angaben zu Intensität und Dauer der Einheiten zum richtigen Zeitpunkt ist eine große Bereicherung gewesen, um sicherer im Kopf und in den Beinen und somit sicherer auf dem Weg nach Berlin zu werden. Natürlich ist der Trainingsplan flexibel zu betrachten. Die Gefahr ist groß in Dogmen abzurutschen und das Training als Zwang anzusehen. Höre auf deinen Körper, denn du merkst am schnellsten und am besten wie dir das Training bekommt. Der Trainingsplan auf dem Papier enthält kein Feedback deines Körpers.

Nach zehn Wochen intensiven und speziellen Marathontraining rückte der Tag X in greifbare Nähe. Am 28. September war es dann soweit. Berlin – und ich noch mehr – war im Marathonfieber. Die Strecke wurde präpariert und drumherum waren Läufer mit dem Starterbeutel für den Marathon zu sehen. Den Freitag vor dem Lauf hieß es Startunterlagen abholen. Am Samstag stand der Marathon der Inline-Skater und der Bambini-Lauf auf dem Programm. Im Cinestar am Potsdamer Platz wurde ein Dokumentarfilm zum Berlin-Marathon gezeigt, der den Adrenalinspiegel nur noch weiter ansteigen ließ. Die Pasta-Party gab es am Abend zusammen mit den anderen Spendenläufern des NABU in einem gemütlichen Restaurant in der Nähe der Marathon-Messe. Wir waren zu zehnt, ich der jüngste und der einzige Debütant unter ambitionierten Läufern. Ein Fakt, der den Adrenalinspiegel nicht sinken ließ. „Vor 13 Monaten hast du angefangen zu Laufen? mOrgen dein erster Marathon? Du traust dir ja was!“
In meinen Vorbereitungen zum großen Lauf habe ich viel über die Tage und Nächte vor dem Marathon gelesen. Das wichtigste ist Ruhe und eine angemessene Ernährung. Auch von einer letzten Trainingseinheit am Tag davor habe ich viel gelesen. Rückblickend kann ich nun, während ich das hier schreibe gut und gerne Behaupten, dass ich nichts von dem einhalten konnte. Ich hatte keine Ruhe, da ich voller Aufregung kreuz und quer durch die Hauptstadt getingelt bin. Eine Trainingseinheit kam nicht in Frage, da ich mich schonen wollte, um Kräfte zu sparen. Ernährt habe ich mich von einer Portion Nudeln mit Spinat am Abend und der Angst, den Spinat in der Nacht wieder auszuspeihen. Vom Schlaf erwähne ich hier nichts, denn den hatte ich nicht.

Der Tag der Tage begann gegen 4 Uhr Morgens mit einem Becher Müsli und der wiederholenden Kontrolle meiner Sachen für den Lauf. Gegen 6 Uhr in der Früh habe ich ebendiese an der „Garderobe“ im Starterbereich am Reichstag abgegeben. Bereit und wartend auf den Startschuss stand ich nun gemeinsam mit über 40.000 Läufern auf der Straße des 17. Juni. Eine grandiose Stimmung. Über die Lautsprecherdurchsagen wurden die Profiläufer angekündigt – ein überragendes Gefühl, mit Olympiasiegern und Weltrekordhaltern gemeinsam einen Wettlauf zu bestreiten. Ich stand im letzten Startblock, das heisst, die schnellsten starten zuerst, danach ein Startblock nach dem Anderen, sodass die Langsamsten – unter denen ich startete – den Schnellsten nicht ins Gehege kommen. Entlang der wunderschönen Strecke, gesäumt von zahllosen Zuschauern mit Instrumenten, Megaphonen und Transparenten fühlt es sich großartig an zu laufen. Ein Erlebnis welches mir schwer fällt in Worte zu fassen. Nach kurzer Zeit kam die Nachricht, dass der Kenianer Wilson Kippsang in einer grandiosen Zeit von 2:03:23 h einen neuen Weltrekord gelaufen ist. „Oh mein Gott! ich bin Teilnehmer an einem Weltrekord-Lauf!“ Beflügelt von diesem Gefühl, kam irgendwann die Ernüchterung durch den berühmten Mann mit dem Hammer. Niemand hat ihn je gesehen, doch jeder Läufer kennt ihn. Er ist derjenige, der dich versucht zu erschlagen und dich dazu drängt aufzugeben. Hier erlangt wieder das Grundlagentraining an Bedeutung, mit dem man versucht, das Date mit dem Hammermann hinauszuzögern. Ab Kilometer 35 hat er mich erwischt. Gemeinsam mit meinem Schweinehund wartete er an der vorletzten Verpflegungsstation auf mich. Nach einem gemeinsamen Drink gepaart mit ein paar Bananen und einem Spaziergang musste ich beiden sagen, dass ich nun keine Zeit mehr für einen Plausch habe.

Hinter der nächsten Ecke warten meine engsten und liebsten Freunde sowie meine Familie auf mich und darauf mich anzutreiben. Das haben sie geschafft. Gestärkt durch ein Transparent mit der berühmten Liverpooler Fussballhyme „You’ll never walk alone“ schleppte ich mich die letzten 2 km über die Straße unter den Linden, durch das Brandenburger Tor hindurch über eine der schönsten Zielgeraden der Welt (hab ich mir mal sagen lassen).

Motivation pur
Motivation pur

Überwälltigt und mit Tränen in den Augen nahm ich meine Medaille für meinen ersten Marathon entgegen und suchte mit schwammigen Beinen einen Verpflegungsstand und meine Garderobe auf.

Noch immer bekomme ich eine Gänsehaut, während ich hier sitze und mich an das vergangene Jahr zurück erinnere. Ich möchte mich nochmals bei meinen Unterstützern bedanken. Ohne euren Beistand an der Strecke, aber auch im Jahr der Vorbereitung hätte ich die Zilliene hinter dem Brandenburger Tor nicht erreicht. Ein besonderer Dank geht an den Stern an meiner Seite. Du hast mich immer unterstützt und gestärkt, trotz all der Entbehrungen, vor allem im Grundlagentraining. Dafür kann ich dir nicht dankbar genug sein…